Fr, 25. September 2026, 19:00 Uhr • Konzert
Klassik_ Bar
Ein romantischer Abend
Eintritt: 15,00 €, ermäßigt 13,00 € | Tickets
In einem Hinterhaus mit Geschichte treffen sich an diesem Abend Zeiten, die eigentlich weit auseinanderliegen. Kein gewöhnlicher Kultursommer-Termin, sondern ein Moment, in dem 1840 und heute für ein paar Stunden nebeneinander existieren dürfen. Marina Kavtaradze sitzt am Flügel, Kirstin Dell singt und führt mit frei schwingender, persönlicher Stimme durch das Programm – weniger Moderation im klassischen Sinn als vielmehr eine Stimme, die zwischen den Stücken kommentiert und kleine Denkpausen setzt.
In der Mitte des Raums steht ein Konzertflügel, der Kirstin Dell selbst gehört. Sie hat ihn dem Atelier-Salon nicht für einen einzelnen Abend geliehen, sondern dem Haus dauerhaft überlassen – eine leise, aber weitreichende Geste. So bleibt der Flügel hier, wird regelmäßig geprobt, gestimmt und bespielt, auch wenn kein Publikum zuhört, und trägt gerade dadurch dazu bei, dass dieser Ort lebendig bleibt und weitere Konzerte überhaupt erst möglich werden.
Im Zentrum des Abends stehen Clara Schumann (1819–1896) und Robert Schumann (1810–1856) – zwei eigenständige musikalische Stimmen einer Ehe. Clara tourte bereits mit vierzehn Jahren als gefeierte Pianistin durch Europas Konzertsäle, komponierte selbst und trug später als gefragte Konzertpianistin wesentlich zum Lebensunterhalt der Familie bei. Nach Roberts Tod war sie es, die über vierzig Jahre hinweg sein Werk hütete und zugleich ihre eigene musikalische Stimme weiterentwickelte – eine Karriere, die selten so erzählt wurde, wie sie es verdient hätte. Robert wiederum schrieb 1840, im legendären „Liederjahr", 140 Lieder in nur zwölf Monaten, fast wie ein musikalisches Tagebuch; an diesem Abend sind sowohl Lieder aus dieser Zeit als auch Klavierwerke von ihm sowie zwei Lieder von Clara zu hören.
Dazu gesellt sich Louis Spohr (1784–1859), der die Klarinette als Konzertinstrument mitprägte, ganz ähnlich wie einst Mozart (1756–1791) mit seinem Klarinettenkonzert KV 622 – an diesem Abend live erlebbar, wenn Gastmusiker Frank Woll das Instrument aufgreift. Giacomo Puccini (1858–1924) trägt die großen Gefühlsbögen bei, während Emmerich Kálmán und Franz Lehár mit ihrer Wiener Operette jene Mischung aus Leichtigkeit, Ironie und Wehmut ins Programm holen, die diese Musik bis heute so besonders macht.
Der Atelier-Salon selbst bewahrt sich seinen eigenen Charakter: kein Konzertsaal mit spürbarer Distanz zwischen Bühne und Publikum, sondern ein Raum mit Geschichte, der gerade dadurch Platz für Neues lässt – nah, unaufgeräumt-elegant.